Datenmodellierung und ER-Modell
Datenmodellierung und ER-Modell
Datenmodellierung beschreibt die reale Welt so, dass daraus später eine Datenbank entstehen kann.
Dabei geht man nicht sofort in Tabellen, Datentypen oder SQL. Zuerst wird fachlich geklärt, welche Dinge existieren und wie sie zusammenhängen.
Vom Problem zum Modell
Der typische Weg:
- Reale Welt beobachten.
- Wichtige Objekte erkennen.
- Beziehungen zwischen Objekten beschreiben.
- Konzeptuelles Datenmodell erstellen.
- Logisches Schema ableiten.
- Datenbank implementieren.
Konzeptionell bedeutet:
- vom Groben zum Detail arbeiten
- abstrahieren
- Begriffe der Fachwelt verwenden
- Implementierungsdetails zunächst zurückstellen
- ein sauberes, zukunftsfähiges Modell entwickeln
Entität
Eine Entität ist ein eindeutig bestimmbares Objekt der realen Welt.
Beispiele:
- Kunde
- Film
- Saal
- Vorstellung
- Ticket
- Band
- Musiker
- Album
Eine Entitätsmenge fasst gleichartige Entitäten zusammen.
Attribut
Ein Attribut beschreibt eine Eigenschaft einer Entität.
Beispiel für Film:
- Film-ID
- Titel
- Erscheinungsjahr
- Dauer
- FSK
- Genre
Attribute sollten fachlich sinnvoll, eindeutig benannt und möglichst atomar sein.
Beziehung
Entitäten existieren selten isoliert. Sie stehen miteinander in Beziehung.
Beispiele:
- Kunde kauft Ticket.
- Film läuft in Vorstellung.
- Saal hat Vorstellung.
- Band veröffentlicht Album.
- Album enthält Song.
Beziehungen werden oft mit Verben benannt.
Kardinalitäten
Kardinalitäten beschreiben, wie viele Entitäten miteinander verbunden sein können.
| Kardinalität | Beispiel |
|---|---|
| 1:1 | Eine Person hat genau einen Ausweis. |
| 1:n | Ein Kunde erteilt viele Aufträge. |
| n:m | Ein Mitarbeiter arbeitet an vielen Projekten, ein Projekt hat viele Mitarbeiter. |
n:m-Beziehungen werden im relationalen Modell später meist durch eine Zwischentabelle umgesetzt.
Beziehungsattribute
Auch Beziehungen können eigene Attribute haben.
Beispiel: Ein Arzt behandelt einen Patienten wegen einer bestimmten Diagnose. Die Diagnose gehört dann nicht eindeutig nur zum Arzt oder nur zum Patienten, sondern zur Behandlung.
Rekursive und parallele Beziehungen
Besondere Fälle:
- rekursive Beziehung: Eine Entität steht mit derselben Entitätsmenge in Beziehung, zum Beispiel Mitarbeiter führt Mitarbeiter.
- parallele Beziehungen: Zwei Entitätsmengen sind mehrfach verschieden verbunden, zum Beispiel Angestellter gehört zu Abteilung und leitet Abteilung.
Namensregeln
Gute Modellnamen helfen enorm.
Empfehlungen:
- Entitäten als Substantiv im Singular
- keine unnötigen Abkürzungen
- Begriffe der Geschäftswelt verwenden
- konsistent bleiben
- Beziehungen mit Verben benennen
- technische EDV-Begriffe in Fachmodellen vermeiden
Synonyme und Homonyme
| Problem | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Synonym | Verschiedene Namen meinen dasselbe. | Versand, Zustellung, Auslieferung |
| Homonym | Derselbe Name meint Verschiedenes. | Bestellung als Kundenbestellung oder Lieferantenbestellung |
Solche Begriffsprobleme müssen früh geklärt werden, sonst wird das Datenmodell später unklar.
Vom Groben zum Detail
Konzeptionelle Modelle entstehen meist top-down.
Start:
- wenige zentrale Entitäten
- grobe Beziehungen
- fachlicher Überblick
Verfeinerung:
- Attribute ergänzen
- Kardinalitäten klären
- Schlüssel festlegen
- Sonderfälle modellieren
- Historisierung prüfen
Beispiel Kino
Entitäten:
- Film
- Saal
- Vorstellung
- Kunde
- Ticket
Beziehungen:
- Ein Film läuft in vielen Vorstellungen.
- Ein Saal hat viele Vorstellungen.
- Eine Vorstellung hat viele Tickets.
- Ein Kunde kann viele Tickets kaufen.
Mögliche Auswertungen:
- Wie viele Tickets wurden für einen Film verkauft?
- Welche Auslastung hatte ein Saal?
- Welche Vorstellungen laufen in einer bestimmten Sprache?
Merksatz
Datenmodellierung ist Übersetzung: Aus einer fachlichen Realität wird ein klares, widerspruchsarmes Modell für die spätere Datenbank.
Zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2026